Nutzungskonzept
I. Die Ausgangslage
Der Stadtbezirk Kirchhellen ist durch eine Entwicklungsstruktur gekennzeichnet, die man als typisch für das Leben in industrialisierten Gesellschaften ansehen kann:
- Aufgrund der hohen Zuzugsrate steigt der Anteil solcher Menschen, die nicht am Ort geboren worden sind.
- Wegen einer immer härter werdenden wirtschaftlichen Konkurrenz verliert der Ort zunehmend an Gesicht. Immer mehr kleine Unternehmen müssen schließen. Das Geschäftsleben wird zunehmend von Namen beherrscht, die man auch in jedem beliebigen anderen Ort findet. Das Profil des Ortskerns droht in allgemeiner Gleichförmigkeit und Anonymität zu verschwinden.
- Immer höher steigt die Zahl jener Bürger, die zwar in Kirchhellen wohnen, die aber zur Arbeit nach außerhalb fahren.
Aufgrund dieser Trends gibt es immer weniger gewachsene Beziehungen zwischen den Menschen. Zugezogene Einwohner, die woanders ihre Kindheit und Jugend verlebten, können nicht erwarten, einen größeren Teil ihrer Mitbürger allein schon aufgrund gemeinsamer Schulzeit zu kennen. Berufspendler mit verstreut liegenden Arbeitsplätzen irgendwo außerhalb Kirchhellens können nicht erwarten, an ihrem Wohnort auf eine größere Zahl von Arbeitskollegen zu treffen.
Auch diese Stütze der Bekanntschaft fehlt.
Wer unter diesen Bedingungen Kontakt zu seinen Mitmenschen sucht, ist auf eigene Initiative angewiesen. Er kann Mitglied in einem Verein, einem Verband oder einer Partei werden, er kann den Kontakt zu einer Glaubensgemeinschaft pflegen, er kann sich um Aktivitäten in der Nachbarschaft bemühen. All dies geschieht in Kirchhellen. Aber so bedeutsam solche und andere Aktivitäten auch sind, sie bleiben doch üblicherweise auf ihre jeweilige Ebene begrenzt, werden darüber hinaus nur selten allgemein bekannt.
Das führt in der breiten Öffentlichkeit, und vor allem bei vielen jungen Menschen, zu dem immer wieder geäußerten Eindruck, in Kirchhellen sei "nichts los". Kenner der Verhältnisse wissen, dass so ein Urteil falsch ist. Dennoch glauben viele - und wiederum vor allem junge Leute -, anregende kulturelle Erfahrungen seien nur außerhalb von Kirchhellen möglich. Darauf beruht ein weiterer unerfreulicher Trend:
Nicht nur wegen der Arbeit oder der (Berufs-)Ausbildung pendeln viele Bürger nach außerhalb; sie verlassen Kirchhellen auch in ihrer Freizeit, auf der Suche nach anregenden Aktivitäten. Wie vielen anderen Regionen auch, so droht dem Stadtbezirk Kirchhellen die Gefahr, sozial und kulturell zu veröden, zu einer "Schlafstadt" zu verkommen. Diesem Trend möchte der Bürgerverein HOF JÜNGER entgegenwirken.
II. Ansatzpunkte
Wer selbst in Kirchhellener Vereinen, Verbänden, Kirchen, Parteien usw. engagiert ist und die Gelegenheit erhält, über den eigenen Zaun zu blicken, der sieht, dass - mehr oder weniger unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit - eine erstaunliche Anzahl von Kirchhellener Bürgern eine bunte Palette interessanter kultureller Aktivitäten bildet - aber eben mehr oder weniger abseits vom Strom der öffentlichen Aufmerksamkeit. An diesem Punkt will der Bürgerverein HOF JÜNGER ansetzen. Seine Grundüberlegung ist sehr einfach: Die in Kirchhellen durchaus vorhandenen kulturellen Aktivitäten müssen in ihrer Vielfaltigkeit der Allgemeinheit bewusst gemacht werden.
Verwirklichen will der Bürgerverein "HOF JÜNGER" diese Absicht dadurch, dass er einen anregenden Rahmen schafft, in dem sich die verschiedenen kulturellen Aktivitäten abwechselnd immer wieder der breiten Öffentlichkeit vorstellen oder in Erinnerung rufen können. Die Möglichkeit dazu sieht der Verein in dem alten westfälischen Bauernhaus auf dem Gelände des ehemaligen Hofes Jünger am Welbraucksweg im Ortskern Kirchhellens.
Das Haus soll so restauriert und zum Teil umgestaltet werden, dass seine Räume sowie die nähere Umgebung zu einem Anziehungspunkt für die Bevölkerung werden. Das Ziel ist, in solch einem ansprechenden Rahmen das kulturelle Leben Kirchhellens für alle Bürger attraktiv erfahrbar zu machen.
III. Der Verein und sein Leistungsangebot.
Der Bürgerverein HOF JÜNGER ist ein vom Amtsgericht Bottrop anerkannter gemeinnütziger Verein. Er ist so konzipiert, dass sich in seinem Vorstand die Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens möglichst genau so widerspiegelt, wie es kennzeichnend ist für den Stadtbezirk Kirchhellen. Konkret: Alle sogenannten relevanten gesellschaftlichen Gruppen sollen im Vorstand vertreten sein. Das ist deshalb erforderlich, weil sich Vorstand und Verein als ein Kuratorium auffassen lassen. Das Ziel der breiten kulturellen Pflege kann der Bürgerverein nur erreichen, wenn er sich ständig über die breite Skala kultureller Aktivitäten auf dem laufenden hält. Das gelingt aber nur über solche Mitglieder, die entweder selbst in bestimmten Bereichen kulturell aktiv sind oder solchen Aktivitäten nahestehen.
Die erste wesentliche Leistung des Bürgervereins soll also darin be-stehen, Informationsbörse des Kirchhellener Kulturlebens zu sein.
Aufgrund seines Informationsstandes kann der Verein in seinen regelmäßigen Versammlungen Programme entwickeln und fortschreiben, in denen festgelegt wird, welche Personen und/oder Gruppen jeweils dazu eingeladen werden sollen, für eine bestimmte Zeitspanne ihre kulturellen Aktivitäten nicht in der gewohnten Umgebung, sondern auf dem Hof Jünger auszuüben. In Betracht kommen dabei ebensosehr kunstgewerbliche wie musische, tänzerische wie literarische, aber auch handwerkliche, schauspielerische oder cineastische Aktivitäten. Da im Gebäude eine Mehrzahl sehr unterschiedlicher Räume zur Verfügung steht, könnten mehrere Personen/Gruppen jeweils gleichzeitig aufgenommen werden. Das unterschiedliche Angebot nebeneinander, vor allem aber im Nacheinander machte den Hof Jünger zu einem attraktiven Brennpunkt des kulturellen Lebens in Kirchhellen.
Die zweite wesentliche Leistung des Bürgervereins soll deshalb darin bestehen, für eine abwechslungsreiche und leicht zugängliche Darstellung des Kirchhellener Kulturlebens in zentraler, verkehrsgünstiger Lage zu sorgen. Über solch ein grundlegendes, allgemeines Programm hinaus kann der Bürgerverein HOF JÜNGER auch als Anreger besonderer Aktivitäten auftreten: Künstlerisches und Kunstgewerbliches aus Anlass bestimmter Feste, Handwerkliches im Gefolge der Jahreszeiten (zum Beispiel: Die Landwirtschaft präsentiert sich mit einem Schlachtfest, Bäuerinnen demonstriere überlieferte Einweck-Rezepte, Handwerker diskutieren mit Schulabgängern usw.) Im Kontakt mit dem Kulturamt der Stadt Bottrop ließen sich Veranstaltungen zu solchen Themen organisieren, die jeweils besonderes Interesse am Ort finden.
Die dritte wesentliche Leistung des Bürgervereins HOF JÜNGER soll folglich darin bestehen, über die Pflege des Bestehenden hinaus neue kulturelle Aktivitäten, eine flexible, allgemein zugängliche Kommunikation anzuregen, damit in Kirchhellen das entsteht, was für alle kul-urinteressierten Regionen kennzeichnend ist - eine aktive und anregende "kulturelle Szene".